
Foto: giga-music/ Lina Hörügel (Bild Mitte) + Phrasenmäher
Sie wollen ganz weit nach oben und sind auf dem besten Weg dorthin: Die Band Phrasenmäher supportet die diesjährige „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“-Tour der Fantastischen Vier und versteht es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Lenne, Jannis und Martin überzeugen mit witzigenspritzigen, deutschen Texten, einer Mischung aus verschiedenen Musikstilen und einer guten Prise Entertainment. Giga-Music traf die drei Jungs zum Interview in der Arena Leipzig und plauderte über alte Zeiten und Zukunftsvisionen.
Jannis: Das liegt schon acht Jahre zurück, damals haben wir nach einem Namen gesucht, mit dem wir erklären können, was für Musik wir machen. Man kann sich zum Beispiel auch Toastbrot nennen, aber da gibt es keinen Bezug zur Band. Wir schnappen gerne Phrasen auf, die Leute in Kneipen, auf dem Weihnachtsmarkt oder so sagen. Wir lauschen und wenn uns eine Phrase gefällt, dann nehmen wir sie auf, mähen sie einmal durch und bauen ne Geschichte drum herum. Besoffene Teenager haben zum Beispiel mal vom „Sog der Breitnis“ geredet – so ist dann unser gleichnamiges Lied entstanden. Und bei dem Namen unsere Website „Hochklappdings“ war’s genauso. Da hat mal ein Typ in der Kneipe gesagt „Oh ich hab gar keine Mütze mit Hochklappdings“.
Lenne: Im Prinzip gibt es ja zwei erste Konzerte, weil wir mit Martin erst seit knapp drei Jahren spielen. Weil unser damaliger Schlagzeuger ein paar Konzerte nicht konnte, haben wir Martin gefragt und dann irgendwann nur noch mit ihm gespielt. In dieser Besetzung war unser erstes Konzert in der Kulturfabrik Hildesheim. Daran erinnere ich mich noch sehr gut: Martins erster Satz war: „Hallo wir sind die Prinzen aus Leipzig“. Ja und dann haben wir angefangen, die Prinzen zu covern. Weil Martins ostdeutscher Dialekt so ein kleines bisschen der Klangfarbe von Herrn Künzel geähnelt hat.
Martin: Ich weiß noch, dass ich schweineaufgeregt war. Ich glaube wir hatten so in kompletter Dreier-Besetzung zwei Mal auf dem Parkplatz geprobt. Und ich rede hier von einem zweistündigen Konzert. Mein Kopf hat die ganze Zeit gequalmt. Aber im Endeffekt bin ich ganz stolz, denn das Konzert ist dann echt gut gelaufen.
Janis: Also es ist meistens so, dass sich einer die Texte ausdenkt, was ich meistens bin und sie dann in der Band diskutiert werden. Es gibt dann die große Kritikmaschine namens Bandprobe. Dort werden Songstruktur und Groove natürlich immer wieder von oben bis unten diskutiert.
Lenne: Jannis ist eher so der Mann fürs Grobe. Er kommt an und sagt: „Hier ist der Song – fertig.“ Jannis und Martin und ich fangen dann an zu diskutieren und mähen den Song nochmal durch. Das ist quasi wie so ein Zwieback – der Song wird immer zweimal gemäht. Jannis mäht die Kernphrase und wir mähen den Song.
Jannis: Ne ganze Menge. Man sagt immer „Dann werden wir mal reich und berühmt und dann spielen wir mal in so einer richtig großen Halle.-- und wenn es dann plötzlich wirklich so passiert, dann denkt man sich auf einmal „Oh krass!“. Aber das ist natürlich noch lang nicht die Spitze des Eisberges. Wir supporten ja die ganze Tour der Fantas und hatten jetzt schon zwei Konzerte mit ihnen. Die Hallen werden immer größer. In Stuttgart werden’s dann 13 000 Leute, vor denen wir spielen. Vor so vielen haben wir bisher noch nie gespielt. Und wenn man dann noch in so einer großen Halle ist, mit Rundbühne und allem drum und dran -- dann fühlt sich das schon ganz schnell an wie 70 000 Menschen.

Foto: giga-music/ Lina Hörügel (Phrasenmäher Konzert Leipzig 16.12.2011)
Jannis: Ja, so ne Portion Lampenfieber hat man immer.
Martin: Das ist auch echt wichtig, denn wenn man vor einem Auftritt nicht aufgeregt ist, dann ist man unterspannt. Und dadurch wird man sehr schnell laschi. Aufregung hilft einem, die Spannung auf die Bühne zu holen und sich wirklich zu konzentrieren und Präsenz auf der Bühne zu haben.
Lenne: Ich habe mal die Theorie aufgestellt, dass immer das siebente Konzert problematisch wird, weil man dann so eine gewisse Routine drin hat. Man denkt dann: „Ach es läuft ja und ich ess jetzt bis zwei Minuten vorm Konzert meinen Apfel.“ Du musst dich aber ein bisschen nervös machen vorher, damit die Spannung läuft und die Show gut wird.

Foto: giga-music/ Lina Hörügel - Phrasenmäher beim Einsingen
Jannis: Also ich bin ja der Bügler in der Band. Aber das mach ich natürlich nicht kurz vorm Auftritt. Das ist jetzt auch schon alles fertig gebügelt.
Martin: Ja also wir checken immer die Setlist und dann singen wir uns alle ein. Das ist auch eher so für’s Gruppengefühl. Also quasi ein gesangliches Umarmen. Das ist tatsächlich wie ein Ein-schwören. Wenn die Intonationen stimmen, dann ist das ein tolles Harmoniegefühl, das uns zeigt, dass wir das jetzt zusammen bringen werden.
Lenne: So kurz vorm Auftritt ist es dann auch eher so, dass wir gemeinschaftlich „rumtigern“.
Jannis: Sehr wichtig. Wir sind sozusagen wahre Entertainment-Säue.
Martin: Das Publikum zu unterhalten war schon immer ein riesiges Steckenpferd dieser Band. Es geht nicht darum, dass wir unsere Songs spielen, sondern dass wir unsere Songs dem Publikum präsentieren und das Publikum die Songs dann mitgestaltet.
Lenne: Wir können dem Publikum ganz viel anbieten und mit ihm reden, aber es kann auch dafür sorgen, dass das Konzert geiler wird. Wenn das Publikum mit uns in Kommunikation tritt, dann können wir gemeinsam einen lustigen Abend draus machen.
Lenne: Also wir sehen uns ja im Prinzip jeden Tag. Mittlerweile arbeiten wir so viel zusammen, dass dann abends, nachdem wir zehn Stunden miteinander verbracht haben, auch jeder mal was für sich machen will.
Jannis: Aber es ist ja auch kein Beruf, bei dem man das so trennt. Es kann natürlich auch sein, dass wir nach den Proben noch zusammen was machen. Es gibt so viele Eindrücke, wie jetzt zum Beispiel mit den Fantas. Da kann man einfach nicht mit jedem drüber reden. Ich will meinen Freunden mit Phrasenmäher auch nicht komplett auf die Nerven gehen. Deshalb ist es schon ganz gut, wenn man über Sorgen, Nöte oder Vorfreude manchmal auch mit Lenne oder Martin sprechen kann. Die können das ja schließlich auch besser nachempfinden.
Martin: Wir wollen auf jeden Fall ganz weit nach oben.
Jannis: Aber schon mit dem, was wir machen. Wir wollen nicht zu einer Plastik-Retortenband werden. Wir sind immer offen für Zusammenarbeit. Manchmal macht es Sinn, konstruktive Kritik umzusetzen. Die Spontanität der Shows wollen wir aber wahren, denn die ist ja auch unser Qualitätsmerkmal.
Lenne: Das Coole ist ja, dass alle, mit denen wir zusammenarbeiten, mit uns zusammenarbeiten, weil sie das machen wollen, was wir machen und nicht weil sie irgendjemand suchen, der das macht, was sie wollen
Danke an die Jungs von Phrasenmäher für das Interview!